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Marko STANKOVIC im Sportnet-Interview

19.01.2010

Dienstag, 19. Jänner 2010    von: Christoph Gastinger

Marko Stankovic: Der Flüchtling aus dem warmen Nest

sportnet.at-Interview mit Marko Stankovic: Der Ex-Blacky und Triestina-Kicker über Trainings, bei denen es "gscheid klescht", die Auslagequalitäten der Serie B, undurchschaubare Trainer und österreichische Supertalente.


sportnet.at: Marko, wie hart ist die Fußball-Schule á la Italia?
Marko Stankovic: "Im Training geht's rau zu, auf Deutsch gesagt "kleschts gscheid". Da wird reingehaut, egal ob Jung oder Alt. Es ist aber nicht so, dass es unfair zugehen würde. Bei 30 Mann im Kader will eben jeder spielen. Wenn du zurückziehst, hast du schon verloren. Hier gelten andere Gesetze. Erst vor wenigen Tagen hat der Verein wieder einen Stürmer geholt, aber ob du vier oder fünf direkte Konkurrenten um deinen Platz im Team hast, ist auch schon egal. Man muss immer Leistung bringen."

Wie chique ist die Auslage Serie B auf dem Weg in die höchste italienische Spielklasse?
"Serie-A-Klubs holen viel lieber Spieler aus der Serie B als aus dem Ausland. Der Grund ist simpel: Legionäre brauchen immer zumindest ein halbes Jahr, bis sie sich eingelebt haben. Das war auch der Grund, warum ich in die Serie B gewechselt bin. In Triest bin ich ständig im Fokus, bei jedem Spiel sehen Scouts zu. "


Weißt du von Interesse aus der Serie A?
"Als ich nach Weihnachten zum Training gekommen bin, habem mir Kollegen erzählt, dass laut Medienberichten Catania und Atalanta an mir interessiert sein sollen. Konkretes habe ich nicht gehört. Die Journalisten haben ihre Fühler hier überall. Die Gazzetta hat mir schon öfters gute Leistungen bescheinigt, sowas freut mich extrem. Mein Ziel ist natürlich die Serie A. Ich will auf jeden Fall so lang wie möglich im Ausland bleiben."

Du kommst nach kleinen Anlaufschwierigkeiten inklusive Verletzungen mittlerweile regelmäßig zu Einsätzen. Gab's dennoch Momente, in denen du deinen Weggang von Sturm bereut hast?
"Klar gab's die. Ich habe mich gefragt, warum ich nicht im warmen Nest bei allen Schulterklopfern geblieben bin. Heute bin ich froh, dass ich schon so viele Spiel absolvieren durfte. Das Cup-Spiel gegen die Roma zum Beispiel war eine mörderische Erfahrung. Außerdem habe ich nicht nur fußballerisch, sondern auch menschlich punkto Selbstständigkeit und Kampfgeist viel dazugelernt."

Auch in Sachen Trainer hast du ja schon viele Erfahrungen gemacht.
"Ich habe mit Luca Gotti schon den dritten Trainer, der aber auf mich setzt. Nachdem ihm von der Vereinsführung gesagt wurde, wer ich bin und dass ich auch schon für das österreichische Nationalteam gespielt habe, ist er zu mir gekommen und hat gesagt: 'Ich bin ehrlich, ich kenn dich nicht, aber bei mir zählt nur die Leistung.' Die Coaches in Italien haben so ihre Eigenart. Sie treffen personelle Entscheidungen, kommentieren diese aber nicht. Wenn du ein gutes Spiel machst, kannst du beim nächsten auf der Bank sitzen. Umgekehrt kannst du einmal nicht im Kader sein und beim nächsten Spiel in der Startelf stehen. Wenn du länger nicht spielst, musst du Geduld haben."


Geduld muss auch Jimmy Hoffer bei Napoli haben.
"Wenn du die nicht hast, schaffst du es nicht. Am Wichtigsten ist die Beherrschung der italienischen Sprache. Ich bin hierher gekommen und habe kein Wort beherrscht. Die Italiener sprechen quasi nur Italienisch mit dir, ich habe überhaupt nichts verstanden. Gott sei Dank bin ich sprachlich begabt. Meine Freundin hat in Italienisch maturiert und wohnt mit mir in Triest, das hat mir natürlich auch geholfen."

Italiener gelten als heißblütig. Überträgt sich das auch auf die Fans?
"Die Athmosphäre in den Stadien ist toll, es gibt aber nicht so einen Radau wie bei Sturm. Triest verfügt über das schönste Stadion der Serie B und hat großes Zuschauerpotential. Wenn wir ein Spiel gewinnen, kommen zum nächsten gleich 2.000 Leute mehr. Im Schnitt sind es etwa 8.000 bis 10.000 pro Heimspiel. Nachdem ich einige gute Spiele in Folge absolviert habe, hat man mich auch schon auf der Straße erkannt. Negative Erfahrungen habe ich noch überhaupt keine gemacht. Im Gegenteil: Nach meinem Goldtor im Cup hat mich ein Restaurantchef sogar auf das Essen eingeladen (lacht)."

Du hast eine hohe Meinung von deinen Austro-Kicker-Kollegen Robert Gucher (18/Frosinone) und Dieter Elsneg (19/Sampdoria Genua). Warum?
"Elsneg ist jetzt leihweise bei Sampdoria, das ist ein Wahnsinnsschritt. Mit 19 Jahren tagtäglich mit solchen Top-Leuten zu trainieren, wird ihn irrsinnig weiterbringen. Und Gucher traue ich ganz Großes zu. Er spielt regelmäßig von Beginn an in der Serie B und könnte schon im Sommer das Zeug für einen Wechsel in die Serie A haben."


Was macht Marko Stankovic in Italien, wenn er nicht gerade auf dem Fußballplatz steht?
"Dann verbringe ich viel Zeit mit meiner Freunden und den zwei Hunden. Wir sind viel in der Natur oder gehen gut Essen, wobei ich sagen muss, dass ich die beste Köchin der Welt zu Hause habe (lacht)."

Siehst du dich 2010 wieder als Nationalspieler?
"Zum Thema Nationalteam will ich nichts sagen, das habe ich schon bei Sturm so gehalten. Ich möchte spielen und Leistung bringen, der Rest kommt von selbst. So hart du arbeitest, so wirst du belohnt. Das ist die Wahrheit."