04.04.2012

AC Milan lockt das Bullen-Juwel

Tauziehen. Bei Fußballvizemeister Salzburg kickt ein 16-Jähriger mit großem Potenzial. Topteams zeigten bereits Interesse an Valentino Lazaro. Red Bull kämpft um den Teenager.

ALEXANDER BISCHOF CHRISTIAN SPRENGER SALZBURG (SN). Wer dieser Tage das Training von Österreichs Fußball-Vizemeister Red Bull Salzburg besucht, könnte meinen, der junge Ronaldinho stehe auf dem Platz. Salzburgs Toptalent Valentino Lazaro sieht dem brasilianischen Weltmeister von 2002 nämlich zum Verwechseln ähnlich. Fliegende Rastazöpfe und ein breites, schwarzes Stirnband waren auch die Markenzeichen des ehemaligen Topstars vom AC Milan und Barcelona.

Und es ist durchaus möglich, dass der 16-jährige gebürtige Steirer Lazaro (Mutter aus Griechenland, Vater aus Afrika) bald das rot-schwarze Leibchen des Mailänder Topclubs tragen wird.

Bei einigen europäischen Topclubs hat es sich herumgesprochen, dass in Salzburg ein Talent mit außergewöhnlichen Fähigkeiten Woche für Woche im Unter-18-Akademie-Team brilliert. Neben Milan sind auch noch Bayern München und Chelsea an einer Verpflichtung des offensiven Mittelfeldspielers interessiert.

Aber auch Red Bull will alles unternehmen, dass der Hobby-Skateboarder seine Zukunft in Salzburg sieht. Der Anreiz: Cheftrainer Ricardo Moniz holte das Juwel in seinen Bundesligakader. Seit einer Woche trainiert Lazaro mit den Profis. Dem Mittelfeldspieler bescheinigte Moniz „riesiges Potenzial“.

Er sei ein ganz besonderes Talent, das ihn in seinen Bewegungsabläufen etwa an den ganz jungen Clarence Seedorf erinnere. Den hatte Moniz in seiner Zeit als Jugendtrainer von Ajax Amsterdam unter seinen Fittichen. „Trotz seiner Jugend hat Lazaro schon eine ganz besondere Ausstrahlung und ist physisch sehr stark. Er hat das besondere Moment“, erklärte Moniz. Er wolle den Jungen aber nicht zu sehr unter Druck setzen, sondern jetzt einmal seinem Spieltrieb freien Lauf lassen.

Diese Spielfreude sieht man auch in vielen Aktionen. Lazaro fühlt sich im Training mit den Profis wohl und glänzt mit sehenswerten Pässen in die Tiefe. „Er besitzt die Fähigkeit für den besonderen Pass. Dazu ist er schon eine Persönlichkeit und wirkt sehr präsent“, erklärte Moniz.

Mit der Aufnahme Lazaros in den Profikader will der Club ein Zeichen setzen und dem Spieler zeigen, dass Perspektiven vorhanden sind. So soll verhindert werden, dass ein Toptalent verloren geht, bevor es seine Entwicklung abgeschlossen hat.

Aber nicht nur Lazaro, der beim Salzburger Nachwuchsbewerb „Next Generation Trophy“ 2011 zum Spieler des Turniers gewählt wurde, ist in das Visier von Scouts geraten. Beobachter verfolgen alle Nachwuchsspiele und sind bei Trainings präsent.

Bei Red Bull sieht man diese Entwicklung skeptisch, der Verein will die Akademie-Talente halten. Ein wichtiges Argument: „Wir ermöglichen neben dem Training auch Schul- oder Berufsausbildung.“ Und: „Großclubs holen jährlich 30 Jugendliche mit dem Potenzial von Lazaro. Wenn es einer in das Profiteam schafft, haben Club und Manager gewonnen. Die anderen Spieler gehen über den Jordan.“

Auch daran sollte das Umfeld von Lazaro denken.