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Der ungewöhnliche Fall des Simon Piesinger

11.03.2015

Sein Turnaround, sein Vorbild, sein Wechsel

Interview:
http://sportnet.at/home/fussball/bundesliga/SturmGraz/4681806/Sein-Turnaround-sein-Vorbild-sein-Wechsel_Der-ungewohnliche-Fall

Als Sturm Graz die Verpflichtung von Simon Piesinger verkündete, wurde Kritik laut. Seit einigen Monaten verstummte diese. Der 22-Jährige im Gespräch mit SPORTNET.

Es ist eine der ungewöhnlichen Episoden im manchmal tristen Ligaalltag. Nur am Radar weniger Fußball-Kiebitze, erlegte Simon Piesinger die Wiener Austria ziemlich solo. Zwei Tore entschieden das Spiel und plötzlich wusste man auch in Favoriten, wer dieser große Blondschopf im Mittelfeld der Grazer ist. Dabei begann Piesingers stetige Entwicklung schon mit Saisonbeginn. Überraschend holte Sturm den Linzer von Wacker Innsbruck – und regelmäßig bekam er seine Chancen. Im Herbst wurde der 22-Jährige stärker, im November folgten die Scorerpunkte. Vier Tore und zwei Vorlagen aus den letzten sieben Spielen, starke 110 Ballkontakte gegen den WAC. Ein Topwert.


Piesingers Befürchtungen

Ein Aufstieg, mit dem weder Piesinger noch die meisten Sturm-Fans gerechnet hatten, als er noch bei seiner Präsentation schüchtern das Sturm-Trikot in die Höhe hielt. "Der Wechsel zu Sturm war überraschend", erinnert sich Piesinger im Gespräch mit SPORTNET zurück. "Ich war mir sicher, dass ich bei Wacker bleiben muss, weil der Verein noch eine Option auf mich hatte. Eigentlich habe ich befürchtet, gar nicht weg zu kommen." Dass sich dann Sturm meldete, ging nach schweren Wochen und Monaten runter wie Öl. "Ich hab' mir nur gedacht: Voll geil."

"Ich war mir sicher, dass ich bei Wacker bleiben muss "


Dass mit seinem Wechsel in der Fanbase der Grazer auch kritische Stimmen laut wurden, bekam er nicht mit – Foren versuchte Piesinger zu umschiffen. "Aber bei Innsbruck war es auch nicht leicht. Immer gegen den Abstieg spielen, wenig Selbstvertrauen – bei einer spielbestimmenden Mannschaft wie Sturm ist das schon etwas anderes." Sturm erkannte, dass bei dem zentralen Mittelfeldspieler nicht viel zusammenlief. Das Verhältnis mit Trainer Michael Streiter war angeknackst, die Vertrauensbasis beschädigt – Piesinger wollte weg. Für Sturm Chance und Schnäppchen zugleich. "Sturm hat mich im U21-Nationalteam oft beobachtet, so ist der Wechsel dann zustande gekommen."

"Habe schnell gemerkt: Er hat Ahnung"

Nach einer unglücklichen Spieler-Trainer-Beziehung zu Streiter passt die Chemie zwischen Piesinger und Franco Foda. "Ich habe schnell gemerkt, dass er sehr viel Ahnung hat. Spätestens dann, wenn der Match-Plan, mit dem er uns aufs Feld schickt, aufgeht." Zudem: "Er geht noch genauer auf die Gegner ein, als meine Trainer zuvor. Dabei ist er sehr penibel. Außerdem zieht er seine Philosophie immer durch." Und so hat der SK Sturm nach passablen Leistungen gegen Austria Wien und den WAC realistische Chancen, das Saisonziel Champions-League-Quali zu realisieren.

"Das Rennen um die Champions League bleibt bis zum letzten Spieltag spannend, da bin ich mir sicher." Als Schlüssel zum Erfolg ruft Piesinger Konstanz aus – und vielleicht, aber nur vielleicht, kann sich "Piese" in Zukunft mit seinem großen Vorbild Yaya Toure messen: "Ich beobachte ihn extrem gerne. Auch wenn er, so wie ich, manchmal ein wenig schlaksig aussieht. Da schau' ich schon manchmal hin, wie er manche Dinge löst." Doch bis es soweit ist, sieht Graz noch viel Wasser durch das Flussbett der Mur fließen.